Lerntherapie ist eine individuelle, ganzheitliche Förderung für Kinder und Jugendliche mit besonderen Schwierigkeiten im schulischen Lernen, insbesondere im Lesen, Schreiben und Rechnen. Anders als reine Nachhilfe zielt Lerntherapie nicht nur auf die Vermittlung von Lerninhalten ab, sondern setzt tiefer an – bei den Ursachen der Lernprobleme, den emotionalen Begleiterscheinungen und der Persönlichkeit des Kindes.
Sie wird häufig bei Lernstörungen wie Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS), Legasthenie, Rechenschwäche (Dyskalkulie) oder Konzentrationsproblemen eingesetzt und kann auch Kinder mit AD(H)S, Schulangst oder mangelndem Selbstwertgefühl unterstützen.
Zielsetzung und Prinzipien
Ziel der Lerntherapie ist es, die Lernvoraussetzungen des Kindes zu verbessern, seine Lernfreude zu stärken und ihm Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen es den schulischen Anforderungen wieder mit mehr Selbstvertrauen begegnen kann. Dabei werden sowohl kognitive als auch emotionale und soziale Faktoren berücksichtigt.
Zentrale Prinzipien sind:
- Individuelle Diagnostik und Förderplanung
- Beziehungsorientierung: Vertrauen und Sicherheit schaffen
- Stärkenorientiertes Arbeiten: Ressourcen aktivieren
- Verzahnung von Förderung und Lebenswelt: Eltern und Schule einbinden
Methoden und Vorgehensweise
Lerntherapeut:innen arbeiten mit einer Vielzahl methodischer Ansätze aus der Pädagogik, Psychologie, Didaktik und Sprachtherapie. Dabei kommen z. B. zum Einsatz:
- Spielerische und kreative Übungen
- Multisensorische Lernangebote (z. B. Hören, Sehen, Fühlen)
- Strategietraining zur Förderung der Selbststeuerung
- Verhaltenstherapeutische Elemente, z. B. zur Reduktion von Schulangst
- Systematische Aufarbeitung von Grundlagenwissen in Deutsch und Mathematik
Der Therapieprozess ist dialogisch, flexibel und wird regelmäßig evaluiert.
Für wen ist Lerntherapie geeignet?
Lerntherapie richtet sich an Kinder und Jugendliche, bei denen schulische Fördermaßnahmen nicht ausreichen. Typische Indikationen sind:
- Anhaltende Lese-Rechtschreibprobleme trotz Übung
- Rechenschwäche, z. B. fehlendes Mengenverständnis
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
- Psychosomatische Beschwerden im Zusammenhang mit der Schule
- Motivationsverlust und geringes Selbstwertgefühl
Auch Eltern, die Unterstützung im Umgang mit schulischen Krisen oder Unsicherheiten brauchen, profitieren oft durch begleitende Gespräche mit Lerntherapeut:innen.
Unterschied zur Nachhilfe
Ein entscheidender Unterschied zur Nachhilfe liegt im Ansatz: Während Nachhilfe an den aktuellen Unterrichtsinhalten ansetzt, setzt Lerntherapie an den Ursachen der Lernprobleme an. Ziel ist nicht das kurzfristige Bestehen einer Klassenarbeit, sondern die nachhaltige Förderung der Lernentwicklung und die Stärkung der Persönlichkeit.
Fazit
Lerntherapie bietet einen wertvollen Raum, in dem Kinder und Jugendliche ihre Lernblockaden überwinden und wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen können. Sie verbindet Fachwissen mit Empathie und trägt dazu bei, dass schulisches Lernen wieder mit positiven Erlebnissen verknüpft wird – ein Gewinn für Kinder, Eltern und Schule.