ADHS, LRS und Dyskalkulie treten häufig nicht isoliert, sondern in Kombinationen auf. Viele betroffene Kinder leiden unter mehreren dieser Störungen gleichzeitig – man spricht dabei von Komorbidität. Diese Mehrfachbetroffenheit stellt für Diagnostik, Förderung und Alltag eine besondere Herausforderung dar.
Komorbidität: Was bedeutet das?
Komorbidität bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Störungen oder Erkrankungen bei einer Person.
Bei ADHS, LRS und Dyskalkulie ist dies häufig der Fall, weil
- sie neurobiologisch verwandt sind (z. B. exekutive Funktionen, Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit)
- sie sich gegenseitig verstärken können
- sie in einer kritischen Entwicklungsphase (Schuleintritt) diagnostiziert werden
Häufige Kombinationen
| Kombination | Vorkommen (geschätzt) |
|---|---|
| ADHS + LRS | 25–40 % der Kinder mit ADHS |
| ADHS + Dyskalkulie | 15–30 % der Kinder mit ADHS |
| LRS + Dyskalkulie | 20–30 % bei Lese- oder Rechenstörung |
| ADHS + LRS + Dyskalkulie (Triple) | 10–15 % bei schweren Ausprägungen |
Diese Werte sind Richtwerte – genaue Häufigkeiten variieren je nach Diagnosekriterien, Alter und Studiendesign.
Erklärungsansätze für Mehrfachdiagnosen
- Aufmerksamkeitsdefizite wirken sich auf alle Lernprozesse aus
- Exekutive Dysfunktionen sind bei allen drei Störungen beeinträchtigt
- Sprachverarbeitungsprobleme erschweren Lesen und Rechnen
- Genetische und neurologische Risikofaktoren überschneiden sich
Folgen für die Praxis
1. Diagnostik
- Mehrdimensionale Tests erforderlich
- Keine vorschnellen Zuschreibungen
2. Förderung & Therapie
- Kombination aus Verhaltenstherapie und Lerntherapie
- Angepasste, individuelle Förderung notwendig
3. Schule & Nachteilsausgleich
- Anspruch auf verschiedene Unterstützungsformen
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich
Fazit
ADHS, LRS und Dyskalkulie treten oft gemeinsam auf. Komorbide Verläufe sind die Regel, nicht die Ausnahme. Eine ganzheitliche Diagnostik und integrative Förderung sind entscheidend, um betroffene Kinder wirksam zu unterstützen – schulisch, therapeutisch und sozial.
